CRP, Antibiotikum und Krüppelhardware

Verfasst am 4.12.2010 von Felix de Ruiter

Vor Kurzem musste ich überraschenderweise statt eines Tages ganze vier Tage im Krankenhaus verbringen: Bei einer Routineuntersuchung meines Knochenmarks war festgestellt worden, dass sich meine Leukämiezellen innerhalb von zwei Tagen schlagartig vermehrt hatten. So standen statt der etwa 2000 weißen Blutkörperchen vom Dienstag auf einmal satte 30000 zu Buche.

Gesunde Menschen haben in der Regel 4000 bis 10000 weiße Blutkörperchen, die allerdings bei einer Grippe oder einem Infekt auch schon mal in größerer Anzahl vorhanden sind. Leukämiepatienten haben bei der Diagnose oft weit über 50000, wobei es bei mir damals aufgrund der sehr frühen Diagnose “nur” rund 28000 waren.

Während der Therapie kommt man selten über 2000 bis 3000 Leukozyten (weiße Blutkörperchen) hinaus. Umso mehr war ich geschockt, als ich erfuhr, dass ich plötzlich wieder so viele hatte. Dieser Vorfall hat natürlich wieder einmal alles über den Haufen geworfen und die Ärzte haben mir direkt eine fette Chemo reingeknallt, die ich bis dato noch nicht bekommen hatte.

Die Folgen bekomme ich momentan zu spüren: Mundschleimhautentzündung, starke Schmerzen in der Speiseröhre und natürlich eine Infektion, aufgrund derer ich mich seit gestern früh wieder stationär im Krankenhaus befinde. Gegen die sehr nervigen Schmerzen habe ich einen Schmerzmittelbeipass aus Tramal und Novalgin bekommen, der seither den ganzen Tag über läuft und wirklich gut hilft.

Einzig das Essen bereitet noch Schmerzen, aber ansonsten geht es. Desweiteren bekomme ich mehrfach täglich Antibiotika, welche die bakterielle Infektion bekämpfen sollen. Was genau das für eine Infektion ist, weiß keiner. In der Regel können die Ärzte das nicht sagen. Man sieht nur im Blutbild, dass der CRP-Wert erhöht ist und reagiert entsprechend. CRP steht für “C-reaktives Protein” und wird meist Entzündungswert genannt. Normalerweise liegt dieser Wert bei unter 0,3. Ab etwa 5,0 werden Krebspatienten von den Ärzten einkassiert und zur Antibiotikumtherapie auf die Station verfrachtet. Mein Wert lag gestern bei 18,36, sodass man auch nicht mehr diskutieren konnte, ob ich wirklich stationär bleiben muss.

Gerade eben hat mir ein Arzt Blut abgenommen und ich bin schon gespannt auf das Blutbild und vor allem darauf, ob mein CRP-Wert bereits gesunken ist.

Die Uhrzeit stimmt hier im Krankenhaus-Computer übrigens nicht: Sie geht etwa eine Stunde und fünf Minuten vor. Ich bin allerdings erstaunt, dass das Backend von WordPress (meiner Blog-Software) auf dieser Krüppel-Hardware, die bei jedem kleinen Popup oder Flash-Filmchen sofort abstürzt, so gut läuft und sogar korrekt dargestellt wird. Dieser Krankenhaus-Computer ist nämlich so eine Art Drei-in-eins-Gerät für TV, Radio und Internet. “Internet” bedeutet in dem Falle, dass hier eine extrem abgespeckte Linux-Version ohne Desktop oder sonstwas läuft, die nur einen völlig veralteten Mozilla Firefox 2 bereitstellt. Hinzu kommt, dass für alle Stationen lächerliche 256 MB Arbeitsspeicher zur Verfügung stehen. Entsprechend langsam und absturzgefährdet ist das ganze.

Kategorien: In eigener Sache | 3 Kommentare »

3 Kommentare zu “CRP, Antibiotikum und Krüppelhardware”

  1. Gert Friederichs sagt:

    Hallo Felix,eins muß ich noch loswerden: Wenn Du kannst, melde Dich einigermaßen regelmäßig im Drachenwald-Forum in Deinem Spezialthread. Viele von uns machen sich wirklich ernste Sorgen, wenn Deine Posts ausbleiben!
    Alles Gute, Gert.

  2. Simone Thiel sagt:

    Felix,

    du warst sehr sehr tapfer. Nun ist dein Leiden vorbei. Irgendwo am Ende deiner Reise gibt es eine schöne Welt die dich nun aufnimmt. Eine Welt ohne Schmerz und Leid. Eine Welt mit Liebe und Frieden. Alle die, die bereits dort sind und dich lieben, ob Mensch ob Tier, werden dich an der Pforte erwarten.

    Als Gott sah,
    dass der Weg zu lang,
    der Hügel zu steil
    und das Atmen zu schwer wurde,
    legte er seinen Arm um dich
    und sagte: “Komm heim.”

    Einen trauriger Gruß senden dir

    Robin und Simone

  3. Wolfgang und Magdalene Rausch sagt:

    Wir sind traurig das wir Felix für immer verloren haben.
    Er war der Mann an Sabienes Seite.Immer wenn wir sie zusammen sahen,spürten wir ihre enge Nähe zueinander.Durch die Krankheit und den nun eingetretenen Abschied für immer
    müssen auch wir auf Felix verzichten.Vergessen werden wir
    Felix nicht.Sein Bild und die Erinnerung an gemeinsame
    schöne Momente bleibt in unseren Herzen.
    Felix du bist den Weg den wir alle vor uns haben vorgegangen.Wenn unser Zeit gekommen ist werden wir folgen
    und uns in der Ewigkeit wiedersehen.Bis dahin sei von uns
    umarmt!!

    Male und Wolfgang

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