Zwischenstand

Verfasst am 10.11.2010 von Felix de Ruiter

Es ist einige Zeit vergangen seit meinem letzten Eintrag. In dieser Zeit ist viel passiert: Die mit feinsten Röstaromen veredelte Grafikkarte funktionierte nach einigen Tagen der Ruhe wieder und werkelt seither wieder in meinem Rechenknecht. Die kurze Zeit mit Schrottgrafikkarte war sehr hart für mich, da ich damit nichts zocken konnte, aber damals große Lust darauf hatte.

Desweiteren hat sich bei mir gesundheitlich leider wieder eine miese Situation eingestellt: Die Leukämie, gegen welche ich bereits seit zweieinhalb Jahren kämpfe, ist am 20. Oktober zum zweiten Mal zurückgekehrt und das nach einer Knochenmarktransplantation! Diese elenden Krebszellen denken wohl, ich hätte nichts besseres zu tun, als immer nur zuhause und im Krankenhaus rumzuhängen, Schmerzen und Übelkeit zu haben und überhaupt.

Falsch: Ich hatte mich sehr darauf gefreut, nächstes Jahr endlich meine Ausbildung zum Mediengestalter zu beginnen und meine größte Leidenschaft, die Webentwicklung, zu meinem Beruf zu machen. Außerdem hatte ich gerade die aufgrund meines ersten Rückfalls im letzten Jahr pausierten theoretischen Lerneinheiten für den Führerschein wieder aufgenommen. Auch das kann ich nun knicken.

2011 wird vermutlich nicht das Jahr des Durchstartens, das ich mir erhofft hatte. Falls mich meine dritte Therapie und anschließende zweite Knochenmarktransplantation endlich heilen, werde ich alle Hebel in Bewegung setzen, 2012 endlich meine Pläne in die Tat umzusetzen, ein eigenständiges Leben zu führen.

Klar, es ist schön, zuhause zu sein und keine Verpflichtungen zu haben, aber ich will nicht immer nur für mich alleine produktiv sein, indem ich Webentwicklung betreibe oder für meine Freunde und Verwandte koche. Ich möchte endlich raus und arbeiten gehen, mein eigenes Geld verdienen und nach meiner Ausbildung einen eigenen Haushalt haben. Ich will leben und dafür kämpfe ich!

Auch wenn ich mittlerweile ohne Partnerin dastehe, lasse ich den Kopf nicht hängen: Ich halte mich fest an den Dingen, die ich habe und mache das beste aus meiner Situation. Ich habe drei kleine Katzen, die mir jeden Tag Freude bereiten, ich treffe mich regelmäßig mit Freunden und bin seit ein paar Monaten gefeierter Hobbykoch.

Mein Herz und meine Seele sind voller Liebe, ich will jeglichen Hass aus meinem Leben tilgen. Ich weiß nicht, ob ich je wieder gesund werde, und ich möchte die Zeit, die ich lebe nicht mit negativer Energie verschwenden. Ich bin glücklich, am Leben zu sein, ganz egal, was noch kommt. Falls ich wieder gesund werde, umso besser, aber falls nicht, dann werde ich dankbar sein für die Zeit, die ich leben durfte.

Es fällt vielen Leuten schwer, meine Lebenseinstellung nachzuvollziehen, aber ich bin der Ansicht, dass jeder diese Einstellung haben sollte, da man nicht erst Krebs haben müssen sollte, um sich klar zu machen, dass das Leben jederzeit plötzlich vorbei sein kann. Ich war schon vor meiner Erkrankung ein Mensch, der jeden Tag in Dankbarkeit für sein Leben aufgestanden und schlafen gegangen ist, aber in den zweieinhalb Jahren auf der Krebsstation hat sich diese Dankbarkeit noch einmal deutlich vergrößert.

Ich habe einige Menschen kennengelernt, die der Reihe nach von dieser Welt geschieden sind, weil sie die Krankheit nicht besiegen konnten. Der Tod jedes einzelnen ist mir sehr nahe gegangen. Aber umso dankbarer bin ich, dass ich noch am Leben bin.

Ich bin glücklich.

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